Fächerangebot

Die Freie Interkulturelle Waldorfschule Berlin bietet ihren Schüler*innen mehr als manche andere Schule. Sie erweitert das gängige Unterrichtsangebot sowohl in der Anzahl als auch im Umfang der Fächer, und behandelt den Stoff gemäß der Methodik der Waldorfpädagogik. Neben den üblichen Unterrichtsfächern wie z.B. Mathematik, Physik, Deutsch, Englisch und Geschichte unterrichtet die IKWS u.a. auch Gartenbau, Handarbeit, Arabisch und Türkisch und führt die Schüler*innen, je nach den individuellen Möglichkeiten, zu BBR, eBBR, MSA oder Abitur.

Haupt- & Epochenunterricht

Bis zum Ende der 8. Klasse werden die Schüler*innen täglich in den ersten zwei Schulstunden von derselben Persönlichkeit, nämlich ihrem/ihrer "Klassenlehrer*in" unterrichtet. Die Inhalte dieses sog. "Hauptunterrichts", also zum Beispiel Mathematik, Geschichte oder Deutsch, werden dabei in mehreren zusammenhängenden Wochen, den sog. "Epochen" vermittelt. Dadurch kann der Stoff jeweils über längere Zeit gründlich vertieft werden. An den morgendlichen Hauptunterricht schließt dann der Fachunterricht an, der von Spezialisten für bestimmte Fachgebiete gegeben wird und mit seinem 45-Minuten-Rhythmus der Struktur ähnelt, die man von staatlichen Schulen kennt. Ab der 9. Klasse wird der/die Klassenlehrer*in zwar auch in den ersten zwei Schulstunden von Fachlehrer*innen abgelöst, doch diese vermitteln den Stoff dann ihrerseits in zusammenhängenden Epochen.

Sprache & Begegnung

Das Kind betritt die Gesellschaft durch das Tor der Sprache. Indem es sich in die Sprache einlebt, lebt es den Gefühlen und Empfindungen seiner Mitmenschen nach, bildet es Weltbeziehung und Weltanschauung aus. Hier beginnt die Integration. Je tiefer es in die Sprache eintaucht, desto tiefer verbindet sich das Kind mit seine Mitmenschen, desto mehr überwindet es sein Einzeldasein und wird ein soziales Wesen. Die Waldorfpädagogik fördert diese natürliche Verbindung mit dem Genius der Sprache, indem sie in den ersten Jahren ganz bewusst das aktive Sprechen einer analytischen Betrachtung grammatikalischer Strukturen, die immer auch Distanz erzeugt, vorzieht. Erst später analysieren die Kinder dann verstandesmäßig, was sie sprachlich längst können.

Beispiele aus dem Unterricht:

Deutsch

Angesichts der digitalisierten und ökonomisierten Gesellschaft, die Sprache zu einem bloßen Informationsträger degradiert und somit zusehends ausdünnt, ist die Verlebendigung der deutschen Sprache eine unbedingte Forderung an ein modernes Bildungswesen. Unsere Pädagog*innen geben daher dem natürlichen Interesse an der deutschen Sprache, das jedes Kind zunächst mitbringt, täglich neue Nahrung. In Märchenerzählungen, rhythmischem Sprechen und Gesang, in selbst verfassten Epochenheften, Jahresarbeiten und Theateraufführungen verbinden sich unsere Schüler*innen tief mit der deutschen Sprache. Nach Bedarf unterstützten wir Kinder, die mit Deutsch noch größere Schwierigkeiten haben, zusätzlich im Fach "Deutsch als Vertiefungssprache".

Fremdsprachen

Bereits ab der 1. Klasse lernen die Kinder außer Deutsch auch Englisch, und können zudem zwischen Türkisch oder Arabisch wählen. Ab der 4. Klasse kommt dann für alle verbindlich Spanisch hinzu. Zugleich erhalten diejenigen Kinder, denen die deutsche Sprache noch Schwierigkeiten bereitet, „Deutsch als Vertiefungssprache“. Spanisch und Arabisch zählen zu den fünf meistgesprochenen Sprachen der Welt und daher auch zu den sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen. Türkisch wiederum ist die in Deutschland zweitmeist gesprochene Sprache. Durch die Beherrschung zusätzlicher Sprachen und der Kenntnis ihnen zunächst „fremder“ Lebenswelten gewinnen unsere Schüler*innen wichtige Zusatzqualifikationen für die Arbeitswelt der Zukunft.

Begegnungssprache

Arabisch und Türkisch werden in den ersten drei Schuljahren als "Begegnungssprache", und erst ab der 4. Klasse dann als Fachunterricht im engeren Sinn gepflegt. Das bedeutet, dass der Fokus in diesen ersten drei Jahren vor allem auf dem spielerischen Eintauchen der Kinder in die für sie zunächst fremden Sprachwelten liegt, und außerdem auf kindgerechten Begegnungen mit den entsprechenden Kulturräumen, etwa durch Feste, Küche oder Handwerk. Ab der 4. Klasse wird Deutsch nochmals intensiviert, und es kommt für alle Spanisch hinzu. Im Ergebnis lernt jedes Kind bis zur 12. Klasse neben Deutsch drei weitere Fremdsprachen: Englisch, Spanisch und wahlweise Türkisch oder Arabisch.

Praktische Fächer

In der handwerklich-praktischen Tätigkeit lernen unsere Schüler*innen genaues, sachbezogenes Arbeiten, entwickeln ein praktisches Verständnis naturwissenschaftlicher Zusammenhänge und üben sich in der Ausdifferenzierung verschiedenster körperlicher Fähigkeiten. Dies ist zugleich wichtiger Bestandteil unseres Medienkonzepts, denn entgegen der landläufigen Meinung benötigen die Kinder heute keineswegs nur Übung im Umgang mit der digitalen Welt, sondern vor allem auch eine Verstärkung sinnlicher Erfahrungen in der realen Welt, um ein Gegengewicht zu schaffen und dem Rückbau rudimentärer menschlicher Fähigkeiten entgegenzuwirken.

Beispiele aus dem Unterricht:

Handarbeit & Werken

Kinder entwickeln nicht nur ihre Feinmotorik, sondern auch emotionale Geschicklichkeit und Durchhaltevermögen durch verschiedene Aktivitäten. Das kreative Handeln regt den Tastsinn und die Bewegungsfähigkeiten an, was nachweislich auch Gehirnentwicklung und Denkvermögen positiv beeinflusst. Tatsächlich haben die Fähigkeiten der Hände einen Einfluss auf die Intelligenz – der Mensch denkt in diesem Sinne nicht mit dem Kopf allein.

Haus- & Gartenbau

Der Gartenbauunterricht bietet eine willkommene Abwechslung zur technisierten Welt und wirkt als entwicklungspsychologisches Gegengewicht zur virtuellen Erfahrungen digitaler Räume. Die Schüler*innen bearbeiten gemeinsam Blumen- und Gemüsebeete, binden im Winter Kränze, bauen Nistkästen und arbeiten im Schulgelände. Dies fördert das Bewusstsein für Natur und Umweltprobleme, stärkt motorische Fähigkeiten, die Kondition und auch die sozialen Kompetenzen.

Sport

Der Sportunterricht ermöglicht den Schüler*innen, sich selbst besser kennenzulernen, den Raum zu beherrschen und sich in ihrem Körper zu Hause zu fühlen. Körperliche Aktivität wirkt sich aber auch positiv auf die Psyche aus, was wiederum das Lernen in anderen Fächern verbessert. Der Wettkampf-Gedanke des Sports muss vor allem im schulischen Kontext nicht als Gegeneinander übersetzt werden, vielmehr kann gerade der Sportunterrichts bei entsprechender Einrichtung das soziale Verhalten fördern.

Computer

In der Oberstufe ist es wichtig, dass die Schüler*innen lernen, einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Ein PC-Raum ist nicht mehr zeitgemäß, vielmehr stehen dem Informatikunterricht mobile Endgeräte zur Verfügung. Dies gibt nebenbei auch anderen Fachbereichen die Möglichkeit, Computer und das Internet für ihre Arbeit zu nutzen. Zugleich ist es aber wichtig zu betonen, dass die private Nutzung von Endgeräte, insbesondere von Smartphones und Smartwatches, auf dem Schulgelände untersagt ist.

Kunst und Kreativität

Der Lehrplan der Freien Waldorfschule ist bewusst nicht allein auf wissenschaftliche Betrachtung und Analyse ausgerichtet, sondern ebenso auf die Förderung von Gestaltungskräften und praktischen Fähigkeiten. Von Anfang an wird das Gestalterische mit besonderer Sorgfalt geübt.

Beispiele aus dem Unterricht:

Darstellende Kunst

Die Klassenspiele haben zwei Hauptziele: die Stärkung der Klassengemeinschaft und das Überwinden individueller Grenzen. Sie ermöglichen das Erleben von Zusammenhängen zwischen Sprache, Mimik und Körperbewegungen. Das Klassenspiel betont die Teamarbeit in der Klasse und fördert sowohl die individuellen Fähigkeiten als auch die soziale Dynamik der Gruppe. Die Ergebnisse werden in internen und öffentlichen Aufführungen präsentiert.

Bildende Kunst

Bildnerisches Gestalten wird als eine Form des Lernens durch Handeln betrachtet. Insbesondere in der heutigen digitalen Ära hat das physische Atelier einen zentralen Wert als Ort für Begegnung und kreatives Schaffen. Die praktischen Herausforderungen, die verschiedene Techniken, Werkzeuge und Materialien bieten, fördern grundlegende Schlüsselerfahrungen, die selbstständiges Denken und Handeln ermöglichen.

Musik

Musikalisches Schaffen erweitert nicht nur die musikalischen Fähigkeiten, sondern fördert zugleich soziale Kompetenz, Lernmotivation, Intelligenz, Kreativität und emotionale Stabilität. Der Musikunterricht führt die Schüler*innen von grundlegenden musikalischen Konzepten in den ersten Klassen über die Entdeckung verschiedener Kulturen, Rhythmen und Instrumente in der Mittelstufe bis zur Erkundung der internationalen Musikgeschichte in der Oberstufe.

Eurythmie

Kinder lernen durch Bewegung und drücken Emotionen, Stimmungen und Ideen in ihren Bewegungen aus. Musik spielt dabei eine bedeutende Rolle, da sie die kindliche Gestalt mit Rhythmen, Melodien und Harmonien beeinflusst. Der Unterricht in Eurythmie zielt darauf ab, die ästhetische und künstlerische Entwicklung der Schüler*innen zu fördern und kann bis zur Oberstufe gehen, wo klassische und zeitgenössische Werke in Bewegung umgesetzt werden.

Wissenschaftlich-kognitive Fächer

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Beispiele aus dem Unterricht:

Chemie, Physik, Biologie & Co

Im Physikunterricht an Waldorfschulen steht die Begegnung mit der Natur im Mittelpunkt, wobei Experimente und Versuche verwendet werden. Schülerinnen und Schüler lernen zunächst, unvoreingenommen zu beobachten und Wertschätzung für Naturphänomene zu entwickeln. Der Unterricht folgt einem dreistufigen Prozess, der aus Beobachtung, Wiedergabe und vertieftem Verständnis besteht. Experimente sind zentral und helfen den Schülern, die Natur zu erleben und phänomenologisch zu verstehen, anstatt sich auf abstrakte Modelle zu verlassen. Der Lehrplan basiert auf der Entwicklungspsychologie und der Anthropologie Rudolf Steiners.

Geschichte

Im Geschichtsunterricht geht es darum, die Zeit zu erforschen. Schülerinnen und Schüler bewegen sich in die Vergangenheit, um die Entwicklung der Menschheit zu verstehen. Dadurch können sie auch die Gegenwart besser begreifen und die Zukunft besser einschätzen. Junge Menschen sind besonders am Thema Zukunft interessiert, da sie sich dort selbst verwirklichen. Geschichte kann für sie spannend sein, weil sie zeigt, wie sich feste Realitäten ändern und Neues entsteht. Geschichte bietet Orientierung, aber nur, wenn sie den Jugendlichen nicht als veraltetes Geschehen präsentiert wird, sondern als etwas Aktuelles, an dem sie teilhaben können.

Geografie

Geographie ist ein wichtiges Fach, das den Verstand fördert und Wissen aus verschiedenen Bereichen verbindet. In der Oberstufe des Geographieunterrichts konzentriert man sich auf die Erde als Ganzes, von ihren physischen Eigenschaften bis zur Beeinflussung durch den Menschen. Schülerinnen und Schüler lernen, verantwortungsvoll mit natürlichen Ressourcen umzugehen und eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung zu fördern, wobei kulturelle Vielfalt berücksichtigt wird. Dies trägt zur sozialen Entwicklung von Mensch und Erde bei.

Mathematik

Der Mathematikunterricht in der Waldorfschule beginnt früh, oft am ersten Tag der Einschulung, und betont die Verbindung von Mathematik und bildhafter Vorstellung. Die Grundlagen werden durch das Formenzeichnen gelegt, das ein Vorläufer der Geometrie ist. Bis zur vierten Klasse unterrichtet der Klassenlehrer Mathematik in Epochen, beginnend mit der Einführung der Zahlen und den Grundrechenarten. Mathematische Konzepte werden als "freundliche Charaktere" dargestellt, um das Verständnis zu erleichtern.

Wirtschaftskunde

Beim Wirtschaftsleben kommt es gerade auf diese Wahrnehmung an, denn alles, was wir dort tun, hat mit der Wahrnehmung und der Befriedigung der Bedürfnisse der anderen Menschen zu tun. In der heutigen arbeitsteiligen Gesellschaft handeln wir faktisch altruistisch, da wir für andere arbeiten.

Praxiserfahrung & Lebenswirklichkeit

Der Oberstufenunterricht zielt darauf ab, Jugendlichen bei ihrer selbständigen Auseinandersetzung mit der Welt zu helfen und ihre Urteilskraft zu stärken. Dazu gehören regelmäßige außerschulische Praktika, die den Schülern die Möglichkeit bieten, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich mit der Welt auseinanderzusetzen.

Beispiele aus dem Unterricht:

Sozialpraktikum

Während des Praktikums leben und arbeiten sie eng mit den betreuten Menschen zusammen. Die Erfahrung lehrt ihnen, Menschen mit Behinderungen als individuelle Persönlichkeiten zu respektieren und zu schätzen. Sie lernen unterschiedliche therapeutische Ansätze kennen und erfahren, wie regelmäßige Strukturen und das soziale Miteinander für die Orientierung der betreuten Menschen von Bedeutung sind. Die Schüler:innen dokumentieren ihre Erfahrungen in einem Praktikumstagebuch und erstellen ein Portfolio, das auch eine Bewertung des Praktikumsbetriebs und Selbstreflexionen enthält.

Landwirtschaftspraktikum

Dieses Praktikum ermöglicht den Schülern einen Einblick in die Realitäten eines landwirtschaftlichen Betriebs und fördert ein vertieftes Verhältnis zur Natur. Es ist nicht darauf ausgerichtet, landwirtschaftliche Berufe zu vermitteln, sondern soll die Persönlichkeitsentwicklung durch praktische Arbeit, soziales Handeln und persönliche Verantwortung stärken. Während des Praktikums erleben die Schüler auch die aktuellen Herausforderungen und Fragen der modernen Landwirtschaft, bauen emotionale Bindungen zu Tieren auf und entwickeln praktische Fähigkeiten.

Feldmesspraktikum

In der 10. Klasse führen die Schüler ein Feldmesspraktikum durch, bei dem sie die in vorherigen Mathematikunterrichten erworbenen Trigonometrie-Kenntnisse in der Praxis anwenden. Sie verwenden empfindliche Messgeräte, um ein Gelände genau zu vermessen und dann Karten davon zu erstellen. Dies erfordert Präzision, Geduld und Teamarbeit, um genaue Karten zu erstellen, auf denen alle Ungenauigkeiten sichtbar werden. Durch dieses Praktikum lernen die Schüler, wie sie in einer scheinbar widersprüchlichen Welt zuverlässige Orientierungspunkte finden können.

Und vieles mehr...

Interessant wäre, wenn nachvollziehbar wird, wie sich das Interkulturelle auch durch andere Fächer zieht. Z.b. Handarbeit, lernt man dort handwerkliches aus der arabischen Kultur? usw...